Posts

Showing posts from December, 2018

Traumatische Tropen - als Feldforscher bei den Dowayos

Zugegeben, so ga nz taufrisch ist Nigel Barleys Buch “Traumatische Tropen. Notizen aus meiner Lehmhütte” über die Feldforschungs-Erlebnisse eines jungen britischen Ethnologen im Norden Kameruns nicht. Ursprünglich 1986 veröffentlicht, erschien im vergangenenen Jahr eine neue Auflage, in der noch nicht mal die DM-Angaben in Euro umgerechnet wurden – möglicherweise, weil die Lektoren es lieber gar nicht erst darauf ankommen lassen wollten, sich auf die Entwicklung von Inflation und Kaufkraft in Kamerun und den passenden Relationen in Euro oder Pfund einzulassen. Das ist aber auch völlig egal, denn den Kulturschock, auf den sich Nigel Barley eingelassen hat, dürfte n Feldforscher in so ausgesprochen ländlichen Regionen Afrikas auch im 21. Jahrhundert überall dort erleben,wo sie sich weitab städtischer Gegenden mit Mobilnetz und Fernsehempfang bewegen. Und so manches Abenteuer des Autors mit Behördenwillkür, Nepotismus, Korruption und einer Mischung aus Fatalismus und überhöhte...

Afrika mit einem deutschen Touch - Gebrauchsanweisung für Nambia

Mit “Gebrauchsanweisung für Namibia” hat Dominik Prantl ein Buch für Afrika-Neugierige und -Reisende geschrieben und zugleich einem Land seine Hommage erwiesen, dass für ihn, wie er auf seiner Webseite schreibt, bei allen Reisen auf dem Kontinent etwas besonderes ist. Bei deutschen Touristen jedenfalls erfreut sich Namibia jedenfalls seit Jahren großer Beliebtheit. Schließlich gilt das Land einerseits als “Africa light” - die Kriminalitätsrate liegt auch in den Städten weitaus unter dem, was in Johannesburg oder Nairobi gang und gäbe ist. Für diejenigen, die als Selbstfahrer mit dem Englischen fremdeln, kann das nach wie vor verbreitete deutsche Element – und deutschsprachige Safari-, Lodge- und Farmstay-Anbieter – beruhigend sein. Und selbst dort, wo Prantl vor Gefahren warnt, etwa Unfallgefahren, scheint das Land im Südwesten Afrikas berückend harmlos. Da scheint eher die Weite und nachlassende Konzentration das Problem zu sein als der Killerinstinkt von Truckern und...

Teuflische Saat - Thriller zwischen Großbritannien und Südsudan

Der Südsudan, jüngster Staat der Welt mit blutiger Vergangenheit und ungewisser Zukunft, ist der Schauplatz des spannendenThrillers "Teuflische Saat". Die Suche nach einer seltenen Pflanze wird zu einer Reise zu Abgründen und tödlicher Gefahr. Gabriel Cockburn ist ein Protagonist, der auch aus einem Roman von John Le Carré stammen könnte: Wissenschaftler am Botanischen Institut, nicht mehr jung, noch nicht alt, dessen Ehe ebenso eingefroren scheint wie seine Karierre. Ein unauffälliger Mann mit milder Midlife Crisis, der es im Triller “Teuflische Saat” des südafrikanischen Schriftstellers Andrew Brown nichtsdestotrotz schafft, das Interesse von Geheimdiensten, Militärs und Waffenhändlern auf sich zu ziehen, als er auf der Suche nach einer ganz bestimmten Pflanze in den Südsudan reist. Denn gerade dort gilt es für den britischen Auslandsgeheimnis MI6 und einen hohen Luftwaffenoffizier, Beweismittel für eine Dronenoperation aus der Welt zu schaffen, die Großbritann...

Das weiße Nashorn - Artenschutz-Krimi um Nashorn-Wilderei

Das Thema, das im Mittelpunkt von “das weiße Nashorn” des schwedischen Autors und Journalisten Markus Lutteman steht, ist hochaktuell: Die Wilderei von Nashörnern und Elefanten wegen ihres Hotns beziehungsweise Elfenbeins, der gewerbsmäßige Schmuggel vor allem nach Asien und die dramatischen Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Internationale Naturschutzorganisationen wie auch Nationalparks in den betroffenen afrikanischen Staaten schlagen schon seit Jahren Alarm, dass die Zahl der Tiere bedrohlich zurückgeht und vor allem Spitzmaulnashörner mittlerweile massiv gefährdet sind. Mancher Leser erinnert sich vielleicht auch an den Tod von “Sudan”, des letzten männlichen Nördlichen Breitmaulnashorn in einem privaten Reservat in Kenia in diesem Frühjahr. Dort leben nun nur noch zwei weibliche Tiere – selten konnte das Aussterben einer (Unter-)Art so publikumswirksam verfolgt werden. Auch bei Lutteman geht es um den Tod eines fiktiven Nördlichen Breimaulnahorns in einem schwedischen Zo...

Stunde der Dunkelheit - Düsternis am Kap

Eine Detektivin, die mit ihren ganz persönlichen Dämonen kämpft, Korruption im Polizeiapparat und Grundstücksspekulationen in einer Gegend, in der nach dem Ende der Apartheid kaum etwas geändert hat: «Stunde der Dunkelheit» ist ein Thriller aus Kapstadt. Die Menschen in Constantia, einem Vorort Kapstadts, wollen zur alljährlichen «Earth Hour» Energiebewusstsein zeigen. Kriminellen kommt die «Stunde der Dunkelheit» zugute, wenn in der streng gesicherten Festung der reichen Weißen die Elektronik der Sicherheitsanlagen eine Stunde lang pausiert. Eine junge Mutter wird entführt, die farbige Detektivin Persy Jones ermittelt. Der Fall wird für die Polizistin zur Konfrontation mit ihren eigenen Dämonen. Mit ihrem Kapstadt-Thriller «Stunde der Dunkelheit» hat die südafrikanische Autorin Michéle Rowe auch ein Porträt der Gesellschaft ihres Heimatlandes gezeichnet, die auch Jahre nach dem Ende des Apartheid-Regimes von Ungleichheit und Denken in Rassen-Schablonen geprägt ist. ...

Die neue Völkerwanderung - Appell für einen Masterplan für Afrika

Seit mehr als 40 Jahren lebt Asfa-Wossen Asserate in Deutschland. Der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers befasst sich nicht nur als Unternehmensberater mit Afrika. Sein Buch über Migration aus Afrika spart nicht mit Kritik - auch an die Adresse Europas . Asfa-Wossen Asserate hat einen Alptraum: «Dass man eines Morgens aufwacht und es heißt, dass zwei Millionen Afrikaner auf dem Wege nach Europa sind.» Davor will der gebürtige Äthiopier mit deutschem Pass und Wohnort Frankfurt nicht nur die Europäer bewahren, sondern auch die Afrikaner. «Die erste Frage muss lauten, wie kriegen wir es hin, dass junge Männer nach abgeschlossenem Studium nicht frustriert durch Rabat oder Addis-Abeba laufen, dass sie in ihrem Land bleiben?», sagt der Autor und Unternehmensberater, der ein Buch über die Migration aus Afrika und ihre Ursachen geschrieben hat.  In "die neue Völkerwanderung" geht es um das Erbe des Kolonialismus, um die Hoffnungen, mit denen sich afri...

Lebenshunger und der Tod im Meer - "Die Schiffbrüchige"

Anguille weiß – sie wird sterben. Eine junge Frau, deren Traum von einem besseren Leben als Schiffbrüchige im Meer endet. Doch ehe sie ertrinkt, zieht sie noch einmal Bilanz, rechnet ab mit ihrem Leben in einem wahnsinnigen Tempo, einem bunten Gedankenstrom. Alles muss gewissermaßen raus aus ihrem Bewusstsein, ehe das Ende kommt. Ali Zamir, ein junger Schriftsteller von den Komoren, wurde für seinen Debütroman «Die Schiffbrüchige» mit dem Prix Senghor für ein französischsprachiges Erstlingswerk ausgezeichnet. Nun liegt das Buch des 1987 geborenen Schriftstellers auch in deutscher Übersetzung vor – eine atemlos und von Lebenshunger strotzende Lebens- und Liebesgeschichte. Zamir lässt farbenfrohe Bilder von einer Inselwelt entstehen, die für die Touristen der Kreuzfahrtschiffe exotisch und vom Duft von Gewürzen erfüllt ist. Für die Menschen der Inseln dagegen ist es eine kleine Welt begrenzter Perspektiven. Anguille ertrinkt nicht im Mittelmeer, wie so viele ihrer Sch...