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Der Hunger nach Bildung - Das Mädchen mit der lauternen Stimme

 Was für ein kraftvolles,  bewegendes Debüt! Mit "Das Mädchen mit der lauternen Stimme" hat die britisch-nigerianische Autorin Abi Daré auch all jenen afrikanischen Frauen eine Stimme gegeben, die in Stille, harte Arbeit und Mehrfachbenachteiligung geboren wurden und wären. Dabei hat sie mit ihrer Hauptfigur Adunni einen Charakter geschaffen, über den ich beim Lesen manchmal schmunzeln muss und deren Leben beim Lesen einen Kloß im Hals verursacht. Kinderehe, moderne Sklaverei, Armut und Chancenlosigkeit, aber auch der Mut, die vorgegebenen Verhältnisse nicht hinzunehmen und mit Bildung auf den sozialen Aufstieg zu hoffen - hier steckt ganz viel drin. Gleichzeitig zeigt Daré den Unterschied von Stadt- und Landgesellschaft in Nigeria und die enormen sozialen Unterschiede auf, die nicht nur Nigeria, sondern auch viele andere der mehr als 50 Staaten des Kontinents prägen. Für Adunni, die zu Beginn des Romans 14 Jahre alt ist, waren die Startbedingungen ins Leben von Anfang an nic...

Die Leerstellen der Geschichte füllen - "Der Schattenkönig"

  Bei militärischen Konflikten aus den 1930-er und 40-er Jahren denken die meisten von uns vermutlich als erstes an den Zweiten Weltkrieg. Nicht so Maaza Mengiste, die Autorin des historischen Romans "Der Schattenkönig". Kein Wunder - die Invasion von Truppen aus dem faschistischen Italien in Äthiopien, dem einzigen nicht von Kolonialismus betroffenen Landes in Afrika, stellte eine Zäsur in dem Land am Horn von Afrika dar.  Mengiste war noch ein Kind im Vorschulalter, als ihre Familie aus Äthiopien floh vor dem damaligen Regime, heute lebt sie in New York.  Beim Lesen des Romans, an dem Mengiste zehn Jahre lang arbeitete, wird klar, dass die Geschichte ihres Heimatlandes sie auch im Exil beschäftigte. Doch "der Schattenkönig" ist mehr als ein Roman über einen Krieg, denn vor allem verdeutlicht er Sozialstrukturen und Genderrollen, eine Welt, in der Männer Herrscher sind und starke Frauen sich eine Nische erkämpfen müssen, wenn sie sich nicht mit der zugeschriebenen ...

Poetische Frauengeschichte zwischen Lamu Archipel und China

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  Wer schon einmal auf den Inseln des Lamu-Archipels war, weiß: Es ist, wie in eine andere Zeit, ein anderes Tempo einzutauchen. Die Inseln, auf denen sich die Traditionen der Swahili-Kultur besonders lebendig erhalten haben, sind geprägt vom Rhythmus des Meeres, vom Ruf des Muezzin, von afrikanischem und omanischem Erbe, dem Schmelztiegel alter Handelsstädte - auch wenn von der einstigen Bedeutung auf den Routen, auf denen schon Sindbad der Seefahrer unterwegs gewesen sein dürfte, nicht mehr viel zu spüren ist. Das Leben scheint dort langsamer, gemächlicher voranzustreiten. Hier siedelt die kenianische Autorin Yvonne Adhiambo Owuor ihren neuen Roman "Das Meer der Libellen" an. Es ist nicht automatisch eine Welt, die der in Nairobi geborenen Owuor, deren familiäre Wurzeln dem Namen nach eher im Westen des Landes liegen dürften, automatisch vertraut sein dürften."Die Küste ist nicht Kenia" heißt es an einer Stelle, und immer ist in dem Buch vom Unterschied der Küsten...

Eindringlicher Roman über ein Opfer von Boko Haram

Schon der erste Satz zieht den Leser in eine dunkle Welt: "Ich war ein Mädchen, aber ich bin es nicht mehr", beginnt Edna O´Briens Roman "Das Mädchen" über die Geschichte einer nigerianischen Schülerin, die zusammen mit ihren Mitschülerinnen von Kämpfern der islamistischen Miliz Boko Haram aus dem Schlafsaal ihrer Schule entführt, in den Dschungel verschleppt und versklavt wurde. Maryam, die Ich-Erzählerin, wird in der Gefangenschaft immer wieder vergewaltigt und schließlich mit einem der Kämpfer verheiratet. O´Brien, die im Alter von 88 Jahren zweimal in Nigeria für ihren Roman recherchierte, schreibt ohne Larmoyanz, ohne Sensationsheischerei und ohne Voyeurismus über das Schicksal Maryams und ihrer Gefährtinnen. Auch ohne die Gewalt und den Missbrauch plakativ zu schildern, findet sie eindringliche Worte über das Leid der Mädchen, die "stumm wie Leichen" die Gewalt der Männer über sich ergehen lassen müssen.: "Aus den Zellen ringsum tödliches Schwei...