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Nigerianische Familiengeschichte zwischen Juju und Selbstbehauptung

 Die nigerianische Autorin Oyinkan Braithwaite hat mich mit ihrem Debütroman "Meine Schwester, die Serienmörderin" begeistert. Da war ich natürlich neugierig auf ihr neues Buch "Der Fluch der Falodun-Frauen". Vorweg sei verraten: Dieses Buch ist ganz anders, auch wenn es ebenfalls um Familiendynamiken und energische Frauen geht. Braithwaite erzählt auf mehreren Zeitebenen und Erzählperspektiven die Schicksale der Frauen der Familie Falodun, die  seit Generationen unter einem Dach zusammenleben - dies auch, weil eine Vorfahrin samt aller weiblichen Nachkommen verflucht wurde, in der Liebe unglücklich zu sein. Hat dieser Fluch tatsächlich über Generationen hinweg Folgen, oder schafft der Glaube an ihn eine self fulfilling prophecy? Wie viel Einfluss haben die Frauen auf ihr Schicksal, welche Strategien wählen sie, um mit dem ominösen Fluch umzugehen? Und kann sich Geschichte wiederholen? Zu den Dreh- und Angelpunkten gehört das Schicksal von Monife, die mit Mitte 20 S...

Familiengeschichte voller Liebe, Lügen und Geheimnisse

  Was für ein wunderbares Debüt mit spannenden, lebensnahen Protagonistinnen! "Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes packt und berührt mit einer Familiengeschichte zwischen Kinshasa und London, voller Liebe, Lügen und Familiengeheimnisse, die erst nach und nach entschlüsselt werden. Es geht um Identität und Queerness, afrikanische Spiritualität und Diaspora-Community, um die Demokratische Republik Kongo, das frühere Zaire, dieses schöne geschundene Land mit seiner Gewalt und seiner Musik. Fonthes Protagonistinnen sind zwei Frauen, zwei Generationen - Bijoux und ihre Tante Mira. Als zwölfjährige wurde Bijoux zur Tante nach London geschickt, angeblich wegen der zunehmend gefährlichen Lage in ihrer Heimatstadt Kinshasa. Für die Tochter einer recht privilegierten Familie ist es ein Schock, sich plötzlich in einer Sozialsiedlung wiederzufinden, mit einer Tante, die vor allem schweigt.  Was Bijoux nicht weiß und was sich in Rückblicken entblättert: Mira ist so etwas wie die ve...

Rites of Passage und Familiengeschichte

 In ihrem Debütroman "Issa" hat Mirrianne Mahn zumindest einiges mit ihrer Ich-Erzählerin Issa gemeinsam: In den späten 1980-er Jahren in Kamerun geboren, in Deutschland in einem Dorf im Hunsrück aufgewachsen, lebt heute in Frankfurt. Zu Beginn des Romans sitzt Issa im Flugzeug, ungeplant schwanger, und auf dem Weg nach Kamerun zu "den Omas", ihrer Großmutter und ihrer Urgroßmutter. Denn ihre Mutter, zu der sie ein schwieriges Verhältnis hat und die über die Schwangerschaft noch vor Abschluss des Studiums alles andere als begeistert ist, ist überzeugt, dass das ungeborene Kind Issa umbringen wird, wenn nicht die nötigen Rituale begangen werden. Die Beziehung zum Kindsvater ist nicht ungetrübt und Issa befindet sich in einer emotionalen Achterbahn, weiß nicht wirklich, was sie will  nur dass sie ihr Kind keinesfalls abtreiben will, das ist ihr völlig klar. Die Reise zu den Omas ist auch buchstäblich eine Reise zu den Wurzeln, und das in zweifacher Hinsicht. Denn die ...