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Showing posts from February, 2024

Weißer Jäger im Herzen der Finsternis

  Mit "Trophäe" ist der belgischen Autorin Gaea Schoeters ein großer Wurf gelungen, obwohl und vielleicht gerade weil er eine Welt und Wertvorstellungen schildert, die laut ihrem Interview auf der Verlagswebseite so gar nichts mit ihrer eigenen Lebensphilosophie zu tun hat. Sie sei eine, die wohl einen Moskito eher an die frische Luft tragen als töten würde. Bei ihrem Protagonisten dagegen kann man sagen: nomen est omen. Der Mann heißt Hunter White und ist in der Tat ein weißer Jäger in Afrika, eigentlich eine selbst langsam aussterbende weil nicht mehr zeitgemäße Alphamännchen-Sorte, die die meisten Menschen überhaupt nicht brauchen. Wo der Roman spielt, bleibt offen, die Andeutungen sprechen für ein Land im südlichen Afrika, doch das bleibt vielleicht absichtlich vage, denn Afrika ist für Hunter nur Kulisse, notwendiges Übel, der Ort eben, an dem er die Tiere findet, die er jagen will. Zu dem Kontinent, zu den Menschen, die dort leben, hat er keinerlei Bezug, sieht sie nur ...

Schwierige Liebe im sudanesischen Bürgerkrieg

  Es ist eine schwierige Liebe, die Fatin Abbas in ihrem Debürtoman "Zeit der Geister" in der fiktiven sudanesischen Stadt Saaraya beschreibt: Es herrscht Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd, und in dem ethnisch segregierten Land ist eine Verbindung zwischen einem Schwarzen und einer arabischstämmigen Sudanesin, zwischen William und Layla nicht vorgesehen, ja nicht einmal eine Begegnung. Doch im Büro einer amerikanischen NGO, in der William als Dolmetscher und Layla als Köchin arbeitet, kommen sie sich langsam näher. Die übrigen Bewohner des Compounds - der amerikanische Kartograph Alex, der der einzige  Weiße weit und breit ist, die Filmemacherin Dena, deren Familien ursprünglich aus dem Sudan stammt und jetzt in den USA lebt, und der zwölfjährige Botenjunge Mustafa beobachten die aufblühende, eher keusche Romanze mit freundlichem Interesse, aber außerhalb des NGO-Geländes müssen die beiden stets die Regeln und Realitäten der Gesellschaft im Blick behalten. Die Handlung spielt...

Afrodeutsche Identitätssuche

 Die beiden Schwestern Dieo und Zazie sind altersmäßig sieben Jahre auseinander, doch trotz schwesterlicher Liebe trennen sie Welten: Psychologin Dieo ist verheiratet mit drei Kindern, Zazie hat gerade ihren Master gemacht und jobbt in einem Jugendzentrum. Dieo lebt mit ihrer Familie im bürgerlichen Frankfurter Nordend, Zazie ist aus dem Bahnhofsviertel nach Offenbach gezogen und ein Inbegriff von Wokeness. Muss sie sich als Schwarze Frau schuldig fühlen, weil sie einen weißen Freund hat (der von ihren Freundinnen und Freunden denn auch nur als "white boy" belächelt wird)? Sie hat sogat gegoogelt, welche Schwarzen Frauen weiße Männer daten, sozusagen um sicher zu gehen, dass sie das machen kann. Die Schwestern haben eine weiße deutsche Mutter und einen senegalesischen Vater, der in der Kindheit der Schwestern keine große Rolle gespielt haben zu scheint. Was Zazie nicht daran hindert, ihre afrikanische Identität stets heraushängen zu lassen und völlig zu verdrängen, dass sie b...