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Nigerianische Familiengeschichte zwischen Juju und Selbstbehauptung

 Die nigerianische Autorin Oyinkan Braithwaite hat mich mit ihrem Debütroman "Meine Schwester, die Serienmörderin" begeistert. Da war ich natürlich neugierig auf ihr neues Buch "Der Fluch der Falodun-Frauen". Vorweg sei verraten: Dieses Buch ist ganz anders, auch wenn es ebenfalls um Familiendynamiken und energische Frauen geht. Braithwaite erzählt auf mehreren Zeitebenen und Erzählperspektiven die Schicksale der Frauen der Familie Falodun, die  seit Generationen unter einem Dach zusammenleben - dies auch, weil eine Vorfahrin samt aller weiblichen Nachkommen verflucht wurde, in der Liebe unglücklich zu sein. Hat dieser Fluch tatsächlich über Generationen hinweg Folgen, oder schafft der Glaube an ihn eine self fulfilling prophecy? Wie viel Einfluss haben die Frauen auf ihr Schicksal, welche Strategien wählen sie, um mit dem ominösen Fluch umzugehen? Und kann sich Geschichte wiederholen? Zu den Dreh- und Angelpunkten gehört das Schicksal von Monife, die mit Mitte 20 S...

Frauenschicksale zwischen Nigeria und den USA

 Mit ihrem Buch "Dream Count" hat sich die US-nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie nach längerer Pause mit einem Roman zurückgemeldet. Sie hat lange an dem Roman gearbeitet, und mit dem Schreibprozess fielen die Corona-Pandemie sowie der Tod ihres Vaters (den sie in ihrem Buch "Trauer ist das Glück, geliebt zu haben" verarbeitete) und nur ein Jahr später der Tod ihrer Mutter, der sie den neuen Roman widmete. Tatsächlich ist "Dream Count" vor allem ein Buch über die Lebensgeschichten, -träume und Freundschaften von Frauen. Wobei die Mutter-Tochter-Verhältnisse, die darin beschrieben werden, teils innig, teils durchaus ambivalent sind. Es ist auch ein Spagat zwischen den Welten in Nigeria beziehungsweise Westafrika und den USA, Adichies Wahlheimat. Drei der Protagonistinnen entsprechen so gar nicht dem Klischee, das viele Menschen in Europa und Nordamerika von Afrikanerinnen haben: Die Reiseschriftstellerin Chiamaka, die Anwältin Zikora un...

Blonde Mädchen, Pogrome und der Traum von Europa

 Es ist gar nicht so leicht, 16 Jahre alt zu sein und mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens zu kämpfen, der ersten Verliebtheit und der eigenen Selbstwahrnehmung. Umso mehr, wenn man gerne wüsste, wer sein Vater ist, wenn man zwar begabt ist, aber in eher recht bescheidenen Verhältnissen lebt wie Andy Aziza, Ich-Erzähler und Hauptfigur in Stephen Buoros Roman "Andy Africa". Der Debütroman ist eine Coming of Age Story aus Nigeria, und wer das bevölkerungsreichste Land Afrikas nicht kennt, bekommt quasi nebenher einen Einblick in die Probleme des Landes. Denn Andy und seine alleinerziehende Mutter leben im muslimisch geprägten Norden des Landes. Die Mutter gehört der mehrheitlich christlichen südnigerianischen Volksgruppe der Ososo an. Das Nebeneinander der Ethnien  und Religionen kann gut gehen - zu Andys Freunden  gehört die Muslima Fatima, die ebenso wie er von einer engagierten und panafrikanischen Ideen zugeneigten Lehrerin gefördert wird. Doch dann gibt es wi...

Der Hunger nach Bildung - Das Mädchen mit der lauternen Stimme

 Was für ein kraftvolles,  bewegendes Debüt! Mit "Das Mädchen mit der lauternen Stimme" hat die britisch-nigerianische Autorin Abi Daré auch all jenen afrikanischen Frauen eine Stimme gegeben, die in Stille, harte Arbeit und Mehrfachbenachteiligung geboren wurden und wären. Dabei hat sie mit ihrer Hauptfigur Adunni einen Charakter geschaffen, über den ich beim Lesen manchmal schmunzeln muss und deren Leben beim Lesen einen Kloß im Hals verursacht. Kinderehe, moderne Sklaverei, Armut und Chancenlosigkeit, aber auch der Mut, die vorgegebenen Verhältnisse nicht hinzunehmen und mit Bildung auf den sozialen Aufstieg zu hoffen - hier steckt ganz viel drin. Gleichzeitig zeigt Daré den Unterschied von Stadt- und Landgesellschaft in Nigeria und die enormen sozialen Unterschiede auf, die nicht nur Nigeria, sondern auch viele andere der mehr als 50 Staaten des Kontinents prägen. Für Adunni, die zu Beginn des Romans 14 Jahre alt ist, waren die Startbedingungen ins Leben von Anfang an nic...

Babydrama im Lockdown

  Den Debütroman "Meine Schwester, die Serienmörderin" der nigerianischen Autorin Oyinkan Braithwaite fand ich sofort überzeugend: Makaber, witzig, unerwartet und mit ironischen Einblicken in die Gesellschaft des westafrikianischen Landes und das Leben in der Mega-Metropole Lagos. Mit ihrem Buch "Das Baby ist meins" kehrt Braithwaite ins Lagos des Corona-Lockdowns zurück, weniger blutig, mit einem ganz anderen Thema, aber auch hier geht es um Familienbeziehungen, Loyalität und Betrug. Mit gerade mal 128 Seiten ist die Geschichte des Streits um ein süßes Baby eher eine Novella - vielleicht auch dem aktuellen Bezug geschuldet. Ich-Erzähler Bobbi  hat es mit seinen 28 Jahren nicht sonderlich eilig, sich zu binden. Zwar verbringt er den Lockdown angenehm  in dem Apartment seiner aktuellen Freundin, doch dummerweise findet sie ein paar einschlägige Textnachrichten und Fotos auf seinem Handy. Das Argument vieler afrikanischer Männer, dass eine einzige Frau einfach nicht a...

Ein Buch wie ein Nollywood-Film

Oops, she did it again!   Kann Krankenschwester Korede nach dem Anruf ihrer kleinen Schwester Ayoola nur denken. Sie hat es schon wieder getan. Denn während manche die Modedesignerin aufgrund ihres Äußeren als männermordendes Traumgeschöpf bezeichnen können, rammt Ayoola Männern in der Tat gerne mal eine 20 Zentimeter lange Klinge zwischen die Rippen.   Nun auch ihrem gegenwärtigen beziehungsweise ehemaligen Freund. Das ist nun bereits der dritte – und damit erfüllt Ayoola ganz offiziell die FBI-Standards für Serienmörder. Doch auch wenn die Schwester eine Serienmörderin ist – Blut ist nun einmal dicker als Wasser. Und so macht sich Korede mit Bleiche und anderem Material als Reinmachen, um Tatspuren zu beseitigen und die Leiche zu entsorgen. Ayoola mag schnell mit der Klinge sein, mit dem gründlichen Aufräumen nach der Tat hat sie es nicht so, da verlässt sie sich lieber auf die große Schwester. Es ist schon eine ganz besondere Schwesternbeziehung und Familiengeschi...